Fallbeispiel

Zwangsarbeit in der Zigarrenherstellung

Ein NGO-Bericht erhebt schwere Vorwürfe gegen die kubanische Zigarrenindustrie: In Gefängnissen in Kuba sollen zehntausende Häftlinge unter Zwang Zigarren für den Export herstellen – darunter auch Produkte, die in die Schweiz gelangen.

© Austin / unsplash

Gemäss einem Bericht der spanischen Menschenrechtsorganisation Prisoners Defenders, der auf Aussagen von über 50 Gefangenen aus kubanischen Haftanstalten basiert, müssen in Kuba rund 60’000 Inhaftierte Zwangsarbeit leisten, viele von ihnen in der Zigarrenproduktion. Wer sich weigert, riskiert Gewalt oder den Verlust von Besuchsrechten. Es gibt ausserdem Berichte über Drohungen und sexuelle Gewalt an Frauen. In der Haftanstalt Quivicán bei Havanna etwa sollen Häftlinge täglich bis zu 60 Zigarren von Exportqualität rollen müssen. Diese Produkte würden über staatliche Firmen wie Tabacuba ins Ausland verkauft. Auch bei der Herstellung von Holzkohle aus Marabú-Holz, die als „ökologisch“ vermarktet und nach Europa exportiert wird, sollen Gefangene eingesetzt werden, schreibt der Guardian.

Schweizer Tabakunternehmen Villiger in der Kritik

Die Schweiz ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für kubanische Zigarren. Über die Firma Intertabak AG in Pratteln, die zu einem Viertel dem Luzerner Traditionsunternehmen Villiger gehört, gelangen Marken wie Cohiba oder Montecristo in Schweizer Fachgeschäfte. Sie erklärte gegenüber der NZZ am Sonntag, von den Vorwürfen nichts gewusst zu haben und auf eine Stellungnahme der kubanischen Partner zu warten. Auch Villiger reagierte mit Verwunderung und schreibt gegenüber der NZZ am Sonntag, dass über Zwangsarbeit nichts bekannt sei. 

Die Schweiz ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für kubanische Zigarren. © Bosta

Tabacuba räumte unterdessen erstmals ein, dass Gefangene in die Zigarrenproduktion eingebunden sind, sprach jedoch von einer «freiwilligen Teilnahme» mit gewissen Haftvorteilen. Menschenrechtsorganisationen hingegen benennen es klar als ein System moderner Sklaverei.

Der Fall zeigt einmal mehr, weshalb es die Konzernverantwortungsinitiative braucht.

Vollständiger Bericht lesen von der NZZ am Sonntag: «Wenn es für die einen zu gefährlich ist, dann ist es das auch für alle anderen.» Kleinbauern in Brasilien erleiden Vergiftungen durch bei uns verbotenes Pestizid von Syngenta» von Januar 2025

Mehr Informationen:

Artikel von The Guardian: «Cuban prisoners forced to work making cigars and charcoal for export to Europe, report claims», von September 2025

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