Fallbeispiel

Trafiguras Geschäft mit hochtoxischem Recycling-Blei aus Nigeria

Recycling gilt als ökologische Erfolgsgeschichte der Autoindustrie. Doch eine neue Recherche zeigt: Recyceltes Blei aus Nigeria vergiftet ganze Gemeinden. Auch der Schweizer Rohstoffkonzern Trafigura nimmt Blei von dort ab und verkauft es weiter in die Lieferketten der westlichen Autoindustrie.

Recycling gilt als ökologische Erfolgsgeschichte der Autoindustrie. Doch recyceltes Blei aus Nigeria vergiftet ganze Gemeinden. © Finbarr O’Reilly / The New York Times

Im nigerianischen Ogijo, nahe Lagos, fällt bleihaltiger Staub vom Himmel. Er bedeckt Häuser, Schulhöfe und Felder. Ogijo ist ein Zentrum des Bleirecyclings in Afrika. Alte Autobatterien werden hier eingeschmolzen – oft unter mangelhaften Umwelt- und Arbeitsschutzbedingungen. 

Bei Untersuchungen der New York Times und des Investigativportals The Examination wiesen sieben von zehn getesteten Bewohner:innen erhöhte Bleiwerte im Blut auf. Mehr als die Hälfte der getesteten Kinder hatten Werte, die dauerhafte Hirnschäden verursachen können. Auch Fabrikarbeiter wurden getestet: Bei allen wurde eine Bleivergiftung festgestellt. Bewohner:innen berichten von typischen Symptomen wie anhaltenden Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Krampfanfällen sowie Lern- und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern. Zudem sind die Böden stark kontaminiert: Bodenproben nahe einer Schule ergaben extrem hohe Belastungen.

Bei Untersuchungen wiesen mehr als die Hälfte der getesteten Kinder hatten Werte, die dauerhafte Hirnschäden verursachen können. @ Finbarr O’Reilly / The New York Times

Leere Nachhaltigkeitsversprechen

Die Automobilindustrie bewirbt das recycelte Blei als Bestandteil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie. Tatsächlich kann Bleirecycling unter strengen Umwelt- und Sicherheitsstandards sauber erfolgen. Doch häufig verschliessen Konzerne die Augen vor den Problemen vor Ort..

So der Rohstoffhändler Trafigura, der einen wichtigen Sitz in der Schweiz hat und in den vergangenen Jahren recyceltes Blei von mehreren nigerianischen Schmelzereien in Ogijo bezog – darunter auch von Betrieben, bei denen Expert:innen gravierende Verstösse gegen internationale Umwelt- und Sicherheitsstandards dokumentierten. Über Trafigura gelangte das Metall in die USA; unter anderem an Batteriehersteller, die grosse Autobauer wie Tesla und General Motors beliefern. Wer die Endabnehmer sind, bleibt aber oft intransparent. 

Trafigura bezog in den vergangenen Jahren recyceltes Blei von mehreren nigerianischen Schmelzereien. © Finbarr O’Reilly / The New York Times

Trafigura erklärte, man halte sich an geltende Vorschriften, arbeite mit Behörden und externen Expert:innen zusammen und beende die Zusammenarbeit mit Lieferanten, die sich nicht verbesserten. Doch laut Beteiligten in Nigeria werden Audits vor Ort häufig im Voraus angekündigt, Empfehlungen nur teilweise umgesetzt, und ernsthafte Sanktionen drohen kaum.

In Ogijo dauert die Blei-Vergiftung an: Behörden schlossen mehrere Werke zwar kurzzeitig, liessen sie jedoch kurz darauf wieder öffnen. Für viele Familien gibt es nur eine Empfehlung: wegziehen. Doch das können sich die wenigsten leisten.

Damit Schweizer Konzerne nicht von massiver Umweltverschmutzung und Vergiftung von Menschen profitieren, braucht es die Konzernverantwortungsinitiative. 

Mehr Informationen:

Video von der New York Times: «How the U.S. Automotive Industry Fuels Lead Poisoning in Nigeria» von November 2025 (auf Englisch)

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