Fallbeispiel

Schweizer Raffinerie profitiert von Enteignungen, Gewalt und Umweltverschmutzung

Schwermetalle im Wasser, Bäuer:innen, die ihr Land verlieren, und Sicherheitskräfte, die auf dem Minengelände Menschen erschiessen: In der Ahafo-Goldmine im Westen Ghanas sind Menschenrechte und Umwelt massiv bedroht. Trotzdem landet das dort geförderte Gold in der Schweiz – bei der Raffinerie MKS Pamp.

Bauarbeiten bei den Ahafo Minen © De Simone Group

Die Ahafo-Mine liegt im Westen Ghanas und gehört dem US-amerikanischen Bergbaukonzern Newmont, einem der weltweit grössten Goldproduzenten. Die Mine umfasst mehrere Abbaugebiete, über und unter der Erde, eine Erweiterung der Mine ist derzeit in vollem Gange.

«Die Bergbauunternehmen haben uns Entwicklung versprochen, aber alles, was wir gesehen haben, ist Zerstörung. Unser Land ist ruiniert, und unser Gemeinschaftsgeist schwindet. Es fühlt sich an, als würden wir unsere Identität verlieren.» – Anwohner über die Mine Ahafo South, Okt. 2024

Für die Menschen vor Ort hat die Mine schwerwiegende Folgen. Seit der Eröffnung der Mine vor rund zwei Jahrzehnten kommt es immer wieder zu schweren Konflikten zwischen Newmont und den lokalen Gemeinden. Es wurden zahlreiche Fälle von Vertreibungen, unzureichenden Entschädigungen, massiver Gewalt und Umweltverschmutzungen dokumentiert.

Zwangsumsiedlungen und Landverlust

Der industrielle Goldabbau benötigt riesige Flächen – Flächen, die zuvor von lokalen Bauernfamilien genutzt wurden. Um Platz für den Tagebau zu schaffen, liess Newmont ganze Dörfer räumen. Die Umsiedlungen erfolgten oft unter Zeitdruck und ohne ausreichende Konsultationen der Betroffenen. Vom aktuellen Minenerweiterungsprojekt Ahafo North sind gemäss lokalen Medien rund 250 Familien betroffen. Newmont gibt an, dass mittlerweile rund 98% der benötigten Fläche in einem gemeinschaftsorientierten Prozess erworben worden seien. Betroffene und lokale Organisationen zeichnen diesbezüglich aber ein anderes Bild. Es gibt Berichte, dass eine von Newmont für Explorationsarbeiten angeheuerte Firma 2023 die Cashew- und Teakholzplantagen von Bäuer:innen zerstört hat, noch bevor irgendeine Einigung zur Übernahme des Landes gefunden wurde. Bei Familien, die sich bis zuletzt geweigert hatten, ordnete die Regierung 2023 schliesslich Zwangsenteignungen an, wobei dies von illegalen Mitteln wie Einschüchterung, Gewalt und Täuschung begleitet war. Durch die bereits bestehende Mine Ahafo South wurden rund 10’000 Menschen vertrieben oder verloren ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage.

Luftaufnahme der Ahafo-Süd-Mine. © Airbus CNES, 2025

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Das sagen die Betroffenen

In einem vom Bergbaukonzern Newmont selber in Auftrag gegebenen Bericht zur Menschenrechtssituation um seine Minen, der im Frühling 2025 erschien, erzählen Betroffene von ihren existenziellen Problemen aufgrund der Vertreibung:

«Newmont hat uns durch die vorübergehende Umsiedlung viel Leid zugefügt; ich war Landwirt und habe jetzt keine Arbeit mehr, sodass wir nur noch von unseren Ersparnissen leben, aber mein Geld ist mittlerweile aufgebraucht. Unsere Kinder können nicht zur Schule gehen, weil wir uns die Schuluniformen und Hefte nicht leisten können.» – vom Projekt betroffene Person in Ahafo South

«Die Landwirtschaft wird von Generation zu Generation weitergegeben. Was wird aus meinen Kindern ohne Land?» – vom Projekt betroffene Person in Ahafo North

Für die Enteignungen und Umsiedlungen erfolgten in vielen Fällen keine oder zu tiefe Kompensationszahlungen. Die lokale Organisation WACAM bemängelt, dass über die Entschädigungen willkürlich entschieden und die lokale Bevölkerung nicht ausreichend die Entscheidungen einbezogen worden sei. Ausserdem führten die Umsiedlungen dazu, dass der Zugang zu Schulen für Kinder aus einigen der betroffenen Gemeinden erschwert wurde.

WACAM (Wassa Association of Communities Affected by Mining) vereint mehr als 170 vom Bergbau betroffene Gemeinden und lokale Gruppen in Ghana. © WACAM

Gewalt und Einschüchterung

Rund um die Mine kommt es immer wieder zu Vorfällen von übermässiger Gewaltanwendung der Sicherheitsbehörden gegenüber der lokalen Bevölkerung. Gemäss einer lokalen Organisation haben die Probleme System: Das Militär wird schon lange im Umfeld der Minen eingesetzt, die grossen Minen in Ghana haben zudem eigene staatliche Sicherheitsbedienstete, die als Minenpolizei fungieren. Sowohl das Militär als auch die Sicherheitskräfte, die von der Mine angestellt sind, sind verantwortlich für Repression und zahlreiche Verletzungen. So wurden in Ahafo South im Januar 2025 gemäss lokalen Berichten drei Menschen, die in den Abraumhalden nach Gold suchten, von Sicherheitskräften von Newmont erschossen, vier weitere wurden verletzt. Im Jahr 2022 wurde ein gemäss der Bevölkerung unbewaffneter Mann bei einem Zusammenstoss mit der Minenpolizei erschossen.

Nahaufnahme der Mine Ahafo-North. © Susan Media

Umwelt- und Gesundheitsschäden

Aufgrund des Gold-Abbaus traten um die Ahafo-Mine mehrfach verschiedene Schwermetalle und Giftstoffe wie Cyanid aus, was hohe Risiken für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt birgt.

Bereits bei einem Leck im Jahr 2009 gelangte eine grosse Menge Cyanid in Flüsse und Teiche. Die Folgen waren dramatisch: Fische starben massenhaft, Vieh verendete, Trinkwasserquellen wurden vergiftet. Der Konzern Newmont wurde dafür von den ghanaischen Behörden gebüsst. Doch im Dezember 2011 starben erneut mehrere Tausend Fische in der Nähe desselben Dammes.

Die Gewässer um die Ahafo South Mine sind gemäss Studien verschmutzt und mit Schwermetallen wie Blei, Cadmium und Arsen belastet. Dies hat drastische Folgen für die lokale Bevölkerung: Die Flüsse dienen als Trinkwasserquellen und werden zum Fischen, Waschen und für die Landwirtschaft genutzt. Im Rahmen einer Studie von 2023 wurde festgestellt, dass der Grenzwert der WHO für Arsen im Wasser um das 90-fache überschritten wurde und derjenige für Blei um das 7-fache. Die lokale Bevölkerung berichtet von gesundheitlichen Beschwerden wie Hautausschlägen, Magen-Darm-Erkrankungen und Atemproblemen. Eine ältere Studie warnt ausserdem vor dem erhöhten Krebsrisiko, das mit der Konsumation des mit Schwermetallen verseuchten Wassers einhergeht.

Warnschild in der Nähe einer durch Newmont verschmutzten Wasserquelle: «Achtung Gefahr». © Womin Report

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Schweizer Verbindung: Rolle von MKS Pamp

Trotz der gravierenden Missstände gelangt Gold aus der Ahafo-Mine seit Jahren in die Schweiz. MKS Pamp, mit Sitz in Genf und einer Raffinerie im Tessin, nimmt seit 2018 Gold aus der Ahafo-Mine ab, um es in der Schweiz zu verarbeiten und weiterzuverkaufen. Die Goldraffinerie profitierte auch schon in anderen Fällen von Gold aus konfliktreichen Minen, wie das Beispiel der North Mara Mine in Tansania zeigt. Auch hier kam es zu Vertreibungen und massiver Gewalt gegenüber der lokalen Bevölkerung. Und im Jahr 2023 wurde bekannt, dass MKS Pamp auch Gold aus einer Mine in Liberia abnimmt, die für starke Umweltverschmutzung verantwortlich ist. MKS Pamp ist nicht die einzige Raffinerie in der Schweiz, die von Missständen profitiert: Das Gold aus Ahafo landete vor 2018 auch bei der Goldraffinerie Valcambi.

Büros der MKS PAMP SA im Herzen von Genf, von wo aus der Konzern einen Teil seines Handels steuert.

Es braucht ein Konzernverantwortungsgesetz

Der Fall Ahafo macht deutlich: Ohne verbindliche gesetzliche Regeln können Schweizer Raffinerien wie MKS Pamp von Minen profitieren, in denen Menschenrechte verletzt und die Umwelt zerstört wird – ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Damit Raffinerien wie MKS Pamp nicht länger von Missständen profitieren können, braucht es ein Konzernverantwortungsgesetz in der Schweiz. 

Das sagt MKS Pamp zu den Vorwürfen

Mit den Vorwürfen zu den Ahafo Minen konfrontiert, verweist MKS Pamp auf international anerkannte Standards wie den OECD-Leitfaden für Minerale aus Konflikt- und Hochrisikogebieten und das LBMA/LPPM Responsible Sourcing Program, an die man sich halte. In Bezug auf die Ahafo Minen sei man bei der Ermittlung, Bewertung, Minderung und Überwachung von Risiken und Auswirkungen in der Lieferkette weit über die gesetzlichen Anforderungen und Branchenstandards hinausgegangen. Auch Newmont halte sich an eine Reihe von internationalen Standards, darunter die Responsible Gold Mining Principles (RGMPs) und die International Council on Mining and Metals (ICMM) Mining Principles, welche beide Anforderungen zum Schutz der Menschenrechte, dem Umgang mit lokalen Gemeinschaften und zur Vermeidung von Wasserverschmutzung beinhalten. Im Rahmen ihres Due Diligence-Prozesses vertraue MKS Pamp neben ihren eigenen Überprüfungen zu einem wesentlichen Teil auf die öffentlichen Angaben des Bergwerksbetreibers, unabhängige Prüfstellen und Zertifizierungen.

Konfrontiert mit den Vorwürfen bezüglich Umweltverschmutzung bei der Ahafo South Mine erklärte MKS Pamp, diese würden nicht mit den jüngsten Berichten von Newmont, den Bewertungen Dritter und ihren eigenen Überprüfungen übereinstimmen.

Zu den Problemen im Rahmen der Umsiedlungen für das Ahafo North Projekt verweist MKS Pamp auf die öffentliche Kommunikation von Newmont und gibt an, dass auch bilaterale Gespräche dazu stattgefunden haben.

Grundsätzlich sei es MKS Pamp auf Grund von Vertraulichkeitsverpflichtungen aber nicht gestattet, konkrete Informationen über die Geschäftstätigkeit seiner Lieferanten oder Einzelheiten seiner Gespräche mit diesen Lieferanten offenzulegen.

Mehr Informationen:

Artikel von der SRF: «Gold aus Ghana: Wer ist verantwortlich für die Risiken?», Juli 2026

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