Fallbeispiel
Kinderarbeit für Lindt & Sprüngli-Schokolade
Der Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli beteuert offiziell, dass die Bekämpfung von Kinderarbeit für ihn «höchste Priorität» habe. Recherchen vor Ort zeigen aber ein ganz anderes Bild: Die SRF-Rundschau deckt auf Kakaoplantagen in Ghana, die auch für Lindt & Sprüngli produzieren, zahlreiche Fälle verbotener Kinderarbeit auf.

Rundschau deckt Kinderarbeit bei Lindt & Sprüngli auf
Kinderarbeit ist in der Kakaoproduktion in Westafrika ein weit verbreitetes Problem – rund 1,5 Millionen Kinder arbeiten gemäss einer Studie von 2020 in den beiden wichtigen Produktionsländern Côte d’Ivoire und Ghana auf Plantagen. Die Schokoladenindustrie verspricht seit Jahren, sich gegen Kinderarbeit zu engagieren, doch passiert ist bisher wenig. Eines der Hauptprobleme bleibt, dass die Kakaobäuer:innen keine existenzsichernden Löhne erhalten, weshalb sie häufig darauf angewiesen sind, dass die Kinder auf den Plantagen mithelfen, um so zumindest einigermassen über die Runden zu kommen.
Recherchen der SRF-Rundschau haben 2024 gezeigt, dass Kakao aus Kinderarbeit auch beim Schweizer Konzern Lindt & Sprüngli und seinem Schweizer Lieferanten ECOM – einem der grössten Kakaohändler weltweit – landet. In den Marketingvideos verspricht Lindt & Sprüngli , dass die Bekämpfung von Kinderarbeit «höchste Priorität» habe. Doch das seit 2016 betriebene Monitoring-System wird von der Rundschau deutlich kritisiert: Nur 87 Fälle von Kinderarbeit seien bei über 80’000 Bäuerinnen und Bauern entdeckt worden, während Konkurrent Barry Callebaut im selben Zeitraum über 53’000 Fälle vermeldete. Es wirkt so, als wolle Lindt & Sprüngli gar nicht genau hinschauen.
Leere Nachhaltigkeitsversprechen
Auf der eigenen Webseite schreibt Lindt & Sprüngli, «einer der wenigen Schokoladenhersteller, der die vollständige Kontrolle über jeden Schritt der Produktionskette hat», zu sein. Damit gemeint ist das sogenannte Lindt & Sprüngli «Farming Program», dank dem Lindt die Herkunft des Kakaos bis zu den Bäuer:innen zurückverfolgen könne. Doch die Realität sieht anders aus: Der Konzern verfügt in Ghana über keine Niederlassung, weshalb die Umsetzung des Programms unter anderem an den umstrittenen Rohstoffhändler ECOM ausgelagert wurde.
Lindt & Sprüngli schreibt, im Rahmen seines «Farming Program» jeden Schritt der Produktionskette seines Kakaos zurückverfolgen zu können. © Francis Kokoroko
Kinder können nicht in die Schule
Auch ein Dokumentarfilm zeigt die Kluft zwischen Anspruch und Realität deutlich. Im Kinderarbeit-Monitoring-System von Lindt ist vorgesehen, dass Lieferanten von Lindt alle Kinder auf Listen registrieren, die sie auf Zulieferer-Plantagen entdecken und ihnen Zugang zu Schulmaterialien sowie den Schulbesuch ermöglichen. Eine solche Liste ist einem Dokumentarfilmer zugespielt worden, der das System vor Ort überprüft hat. Ein Besuch in einer erwähnten Schule zeigt, dass während der Erntezeit sieben von zehn Kinder im Unterricht fehlten. Lindt & Sprüngli verweist auf systemische Ursachen wie Armut und die Verantwortung der Lieferanten – aus Datenschutzgründen könne der Konzern nicht selbst prüfen, ob die Kinder die Schule besuchten. Die Recherchen zeigen deutlich, dass die freiwilligen Versprechen nicht ausreichen. Es braucht die Konzernverantwortungsinitiative, damit sich endlich etwas ändert!
Vollständige Recherche lesen von der SRF: «In Schweizer Schoggi steckt Kinderarbeit» von Januar 2024
Mehr Informationen:
Artikel von Tages Anzeiger «Das System von Lindt & Sprüngli gegen Kinderarbeit in Afrika hat Risse», von April 2025
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