Fallbeispiel

Glencore verantwortlich für schwere Hautverletzungen im Tschad

Recherchen haben aufgedeckt, dass Glencore im Tschad eine Umweltkatastrophe verursacht hat: Chemikalien aus der Erdölproduktion vergiften einen Fluss, das führt bei Kindern und Erwachsenen zu zentimetergrossen Brandblasen auf der Haut und das Vieh der Dorfbewohner:innen verendet.

Schlecht konstruiertes Auffangbecken für Glencore-Ölproduktion

Im äussersten Süden von Tschad betreibt Glencore über die Tochterfirma PetroChad Mangara (PCM) das Ölfeld Badila. In einem grossen Auffangbecken wurden giftige Abwässer aus der Ölproduktion gelagert. Die Erddämme des Auffangbeckens waren zwar nur ein Jahr alt, aber so schlecht konstruiert, dass sie während der Regenzeit nicht standhielten.

Im September 2018 kam es zur Katastrophe: Das Becken brach und das kontaminierte Wasser vergiftete die Felder und den Fluss Nya Pende. Dieser ist für die Landbevölkerung lebenswichtig, er wird fürs Baden, Fischen, Waschen und zum Tränken der Tiere benutzt.

Am Tag nach dem Dammbruch gab es eine öffentliche Versammlung mit Glencore-Vertretung. Dort behauptete der Rohstoffkonzern, dass das Wasser aus dem Fluss weiter unbedenklich konsumierbar sei. 

Nur zwei Wochen später verschärfte sich gemäss Anwohner:innen die Situation weiter, als es bei einer Öl-Pipeline zu einem Leck kam. Sie berichteten von Ölspuren auf der Wasseroberfläche des Flusses. 

Drastische Konsequenzen für Bevölkerung und Umwelt

Über 50 Menschen aus dem nahen Dorf berichteten nach den beiden Vorfällen von Verletzungen. Kinder wie auch Erwachsene schilderten, dass sie, nachdem sie sich im Fluss gewaschen hatten, nur noch unscharf sahen und später an Schmerzen und teilweise zentimetergrossen Brandblasen auf der Haut litten. Ziegen, Kühe, Schweine und Schafe starben, nachdem sie am Fluss getränkt wurden. Auf Bildern sind zahlreiche tote Fische zu sehen, die nach der Katastrophe auf dem Fluss treiben. 

Erneuter Dammbruch, erneute Verschmutzung

Am 21. Juli 2020 kam es bei Glencores Ölfeld Badila zu einem erneuten Dammbruch, wobei wiederum mit Chemikalien verunreinigtes Wasser entwich, die Felder verschmutzte und die Ernten zerstörte. Der Schlamm verseuchte auch einen Trinkwasserbrunnen im Dorf. Nach der Katastrophe sorgte Glencore noch nicht einmal dafür, dass die lokale Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser erhielt.

Nur dank Recherchen der britischen Organisation «RAID» wurden die skandalösen Vorgänge bekannt. In der Schweiz berichtete die Sonntagszeitung darüber.

«RAID» hat in Grossbritannien eine Beschwerde beim dortigen «Nationalen Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze» eingereicht und fordert Aufarbeitung und Entschädigung.

Bis heute blieben diese Forderungen erfolglos.